Heute besuchte ich die letzte Sitzung meines Didaktik-Seminars. Wir hatten in diesem Semester Referate erarbeitet und vorgetragen. Darunter waren Themen wie die Kunstdidaktiker Otto, Kunst im Knast, Lernen, Kreativität, Kunstgeschichte, Museum, Motivation, Selbsterfahrung durch Kunst, Medienkultur, Materialkenntnis, Lernprozesse. Eigentlich ein interessanter Überblick mit vielen verschiedenen Referaten dabei. Mir war es zwar zu langweilig dadurch, dass es eben alles Referate waren, aber es war okay und es wurde meist interessant und anders aufbereitet.
Ich war in einer 4er Gruppe, die dann zu dritt ein Referat zum Thema „Kinderzeichnungen“ und „Entwicklungspsychologie“ hielt. Eine Kinderzeichnung, die ich im Alter von 3 Jahren malte, fügte ich unter anderem auch bei. Es stellt die Familiensituation aus meiner egozentrischen, subjektiven Wahrnehmung zu diesem Zeitpunkt dar. Links meine riesige Mutter, in der Mitte ich und rechts mein Vater.

Am Ende der Stunde fragte uns der Professor, ob uns denn etwas gefehlt hätte. Keiner sagte etwas, aber für mich persönlich kristallisierte sich in meinem Kopf heraus, dass die Grundlagen der Kunstpädagogik mehr sind als die oben genannt Dinge und das mir eine Sache besonders gefehlt hat, was mir immer wieder auffällt, wenn ich mir Meinungen und Gedanken von Kunstpädagoginnen und Kunstpädagogen anhöre; die Moral.
Ich denke, dass die Moral ein Haupt-Standbein der Kunsterziehung sein sollte. Und dass es schön und gut ist, wenn man Kinder früh fördert in dem man ihnen Mittel zur Verfügung stellt, und nicht verbessert und zurechtweist, etc. . Aber in der heutigen Gesellschaft, in der Medien und Kapitalismus derartige Instanzen sind, sollte die Kunst meiner Meinung nach dagegen vorgehen und moralisch sein, menschlich und sozial und nicht nur das Kind fördern, sondern es in einer Form auch auf die Welt vorbereiten und es in gewissem Maße schützen. Medien sind meist nicht menschlich und sozial und in der Kunst sehe ich oft nicht das Kritische, Moralische, Zeigefinger-zeigende, Schützende und Geleitende. Zwar auch, beispielsweise mit Werken wie Bruce Naumans „Taperecorder“, bei dem ein Tonband mit Schreien eines Gefolterten in Endlosschleife gespielt werden, was man jedoch nicht hört, weil es vollkommen einbetoniert ist. Man weiß es nur. Man liest, was da vor sich geht, aber das was hier aufgezeigt wird, ist etwas Globales, das man gar nicht ganz fassen kann. Zu jeder Zeit, in jeder Sekunde werden Menschen auf diesem Planeten gefoltert, Waffen werden aus Deutschland in irgendwelche Krisengebiete importiert und so weiter. All das wird nicht offensichtlich gezeigt, auch wenn es unterbewusst im Bewusstsein der Menschen ist oder sein könnte.
Meiner Meinung nach sollte die Moralische Kunst ein Grundpfeiler der Gesellschaft sein, im Kampf gegen die Beeinflussung durch Medien und Verstumpfung.
Zurzeit wird die Kunst leider eher meist selbst instrumentalisiert und benutzt und man sieht, dass die Kunst toter Künstlerinnen und Künstler meist wesentlich mehr wert ist, als die von lebenden Kunstschaffenden, wenn es überhaupt einen Wert für die Allgemeinheit hat oder für gewisse Instanzen, die Kunst das Prädikat „Kunst“ verleihen. Kunst wird auf Geld minimiert und das ist ja gerade Kunst nicht. Denn Kunst ist in gewissem Maße wertlos, doch nein: Da steht ja ein berühmter Name drunter, also ist es wertvoll.
Was ist Wert? Was ist Kunst?
Es steht jedenfalls fest, dass Kunst zu Kunst gemacht wird und nicht nur Kunst ist, weil jemand von seinen Werken behauptet, dass sie Kunst seien. Kunst hat subjektiven Charakter und ist deshalb wertvoll, weil sie der betrachtenden Person etwas vermittelt, das sie selbst daraus zieht. Ansonsten ist Kunst wertlos, wenn die betrachtende Person nichts damit anfangen kann oder gar sehr viel Geld dafür bezahlt. Es gibt nichts Wertloseres als Kunst, die man verkaufen kann.
Meine Gedanken dazu sind zurzeit noch etwas wirr, aber ich will das bei Gelegenheit etwas ausführen und ausbauen.
In den nächsten Tagen kommen jedenfalls noch ein paar Sachen, die ich heute und in den letzten Tagen gemacht habe.